Jeder Tag ist ein neuer Anfang

Papawochenende.

Ich gebe zu, seit langer Zeit lief es nicht optimal. Am Freitag Abend gab es Meinungsverschiedenheiten über die späte Abholzeit.

Als ich anfing zu argumentieren, war mir noch nicht bewusst, wo das endet und dass es sich so hochschaukelt. Ich ahnte nichts von seinem Tag und habe nicht gefragt WARUM er so spät kommt.

Wie schlimm das speziell für meinen grossen Sohn ist, weiss ich. Vieles verkneife ich mir und entscheide mich oft dagegen, ihn zu kritisieren. An diesem Tag musste es eben gesagt werden, weil ich ein Mensch bin, Gefühle habe und sonst geplatzt wäre.

Das Ende vom Lied war, dass der Abschied mehr als doof war, ist mir doch besonders da Harmonie so wichtig.

Ich versuche ihm zu erklären, dass man Dinge, die nicht gut laufen ansprechen muss und denke er versteht es.

Trotzdem seh ich seine glänzenden Augen, als er sich aus meiner Umarmung löst. Er läuft rückwärts, ohne Spannkraft im Körper und mit hängenden Schultern. Er schaut mich dabei an und sein Blick sagt mir:

Ich bin traurig.

Ich bin wütend.

Ich habe Angst.

Als die Tür ins Schloss fiel, habe ich geweint. Sein Blick hat mich lang verfolgt. Mehr als der letzte Satz des Zwuckels:

„Oh Mama, das alles ist AUCH deine Schuld!“

Ich habe hin und her überlegt, warum und wieso es so endete, wie es endete. Wie ich die Dinge in Zukunft beeinflussen kann, damit eben genau das nicht mehr so läuft.

Als es heute Abend an der Tür klingelte, stand der Plan und ich war guter Dinge.

Ich öffnete lächelnd die Tür, bat alle Beteiligten rein und wir setzten uns kurz. Endlich konnte mein Sohn seinem Papa das Zeugnis zeigen und die neusten Tricks an der Reckstange vorführen.

Später in der Wanne erzählte er mir von seiner Erleichterung darüber. Ich erzählte ihm dafür von meinem Plan, wie die Freitage am Papa Wochenende in Zukunft laufen könnten. Er strahlte mich an und zwinkerte.

Ich nehme mir vor, dass es klappt und deshalb WIRD es klappen. Nicht nur für mich, nicht wegen dem Papa, FÜR die Kinder.

Als er später Tomaten schnippelte und ich im Rührei stocherte, schlief der kleine Bruder schon lang. Wieder fingen wir an darüber zu reden.

Er sagte, dass er enttäuscht und sauer auf uns beide war.

„Aber ich hatte auch Angst, dass unser Haus untergeht von deinen vielen Tränen!“

Dann lachte er. Er fragte, ob ich geweint habe und ich war ehrlich.

„Ich wusste es“, triumphierte er.

Er habe es in seinem Herzen gefühlt.

Ich fragte ungläubig:

„Du warst sauer, enttäuscht und traurig. Und hast trotzdem noch darüber nachgedacht, wie es MIR geht???“

Ja klar, antwortete er. Er denke immer viel nach, deshalb könne er abends auch lange nicht einschlafen.

Er ist heute lächelnd in meinem Arm eingeschlafen.

Für Kinder lohnt es sich immer sich zu reflektieren und an sich zu arbeiten.

Es geht um Fortschritt, nicht um Perfektion.

Ich bin kein Roboter und habe Gefühle.

Mache Fehler und treffe unkluge Entscheidungen, auf die ich nicht stolz bin.

Das dürfen meine Kinder ruhig wissen.

Ich bin erleichtert. Und glücklich.

Wie schön, dass man immer neue Entscheidungen treffen kann und dazulernt.

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