Ich habe dazugelernt…

In letzter Zeit gerate ich oft in Situationen, bei denen ich mir eingestehen muss:

man kann nicht alles haben!

20. 7…der Tag, an dem ich mich schon vor Monaten zum “ Muddyangel run“ in Stuttgart angemeldet habe.

Zusammen mit 6 anderen Mädels fieberte ich dem Tag entgegen und hoffte, dass ich das alles mit den Kindern organisiert bekomme.

Denn diesmal bin ich es anders angegangen: ERST anmelden und mich DANN erst um die Kinderbetreuung kümmern.

Ich war nervös und das Verhältnis zum Papa der Kinder zu der Zeit nicht wirklich gut.

Die Umgangswochenenden waren nur zeitnah möglich zu besprechen, wenn überhaupt. Fakt ist, es war zäh und so weit im Voraus konnte er nicht planen.

Ich war erleichtert, als ich einen Plan B hatte, falls er mir einen Strich durch die Rechnung machen sollte.

Der Plan war umständlich und nicht genau das was ich logistisch wollte, aber es war ein Plan.

Nach dem letzten Elternabend stand der Termin für das Sommerfest der 2. Klasse meines Sohnes fest:

Es war der 20. 7

Ich konnte es erst nicht fassen und ärgerte mich unheimlich darüber, dass solche Dinge jetzt schon am We geplant werden.

Noch mehr verfiel ich nach dem 1. Schock in Selbstmitleid und den kreisenden Gedanken um das Thema:

…jetzt hab ich EINMAL was vor….immer kümmere ich mich um die Kinder…EINMAL meld ich mich an…Ich habe dafür Geld gezahlt und ich freu mich darauf…es ist schon so lange geplant…

Ich hatte zwar einen Plan B, ja, aber dieser Plan B liess sich nicht mit dem Sommerfest vereinen.

Ich ging die Möglichkeiten durch:

1. Ich sage das Event ab, weil ich wirklich will, dass mein Sohn bei seinem Sommerfest dabei ist

2. Ich gehe zu dem Event, nehme Plan B und mein Sohn kann eben nicht zu dem Sommerfest

3. Der Papa nimmt die Jungs an dem Tag, ich kann zu meinem run.

Dann weiss ich aber immer noch nicht, ob er mit Sohnemann zu dem Sommerfest gehen will, ich denke aber eher nicht

Der Druck stieg, als mein Sohn mir von dem Theaterstück erzählte und mir den Text in die Hand drückte, den er dafür lernen soll. Ausserdem ist sein legendärer Handstandlauf Teil des Ganzen.

– Schluck-

Es quälte mich.

Das Verhältnis zum Papa der Kinder besserte sich und ich hatte minimale Hoffnung.

Erst viel später waren die Umgänge besprochen und am 20. 7 waren sie bei Papa.

PUH! Soweit so gut!

Ich traute mich noch nicht, ihm von dem Sommerfest zu erzählen.

Wenn er nämlich nicht mit Sohn hingegen wollte, hätte ich meins sicher abgesagt, damit ich mit ihm hingehen hätte können.

Es vergingen mehrere Wochen und eines Tages war die Stimmung gut, alle waren entspannt und ich informierte ihn darüber.

Bevor er etwas sagen konnte, erzählte ich ihm, dass das dem Sohn sehr wichtig ist und dass er sich darauf vorbereitet hat. Also nicht fehlen darf.

Zu meiner Überraschung war er sofort einverstanden und freute sich, dass das erst 15 Uhr losgeht.

Der letzte Wettkampf, zu dem er unseren Sohn begleitete, der fing 9 Uhr an. Das war schon sportlich für ihn allein mit 2 Kindern und in einer anderen Stadt.

Ich konnte mein Glück nicht fassen und ich war so erleichtert. All meine Probleme waren mit einem Schlag gelöst.

Gestern war der 20.7 und wir kamen alle auf unsere Kosten.

Am Vorabend fuhr ich nach Stuttgart und schlief bei einer Bekannten. Das allein war schon Entspannung pur.

ALLEIN im Auto, auf der Autobahn. Wahnsinn.

Ich drehte die Musik laut und fuhr auf der linken Spur.

Ich Rebell.

Wir sassen draussen aud der Terasse zusammen, wie waren zu dritt.

Es wurde philosophiert, sich ausgetauscht, auf den neusten Stand gebracht und wir tranken Hugo.

Nur Erwachsene! Wow!

Am nächsten Morgen lernte ich die 2 Jungs der Gastgeberin kennen und sie erinnerten mich sehr an meine. Ich mochte sie auf Anhieb, liess mir die Nerf-Sammlung zeigen und bewunderte die vielen Legos.

„Petra, vermisst du deine Kinder, oder was ist los!?!“

Sie lachte und ich stellte fest, dass ich das Alles mag. Kinder, Jungsspielzeug, mein Leben damit. Absolut!

Am Abend danach war ich mit letzter Kraft bei Edeka und wollte mir noch leckeres Essen kaufen.

Das mach ich immer so für MEIN We!

Ich hoffte keinem zu begegnen, denn ich hatte noch Schlamm in den Ohren und war nicht in Redelaune.

Ich war müde, erschöpft, k.o und alles zusammen. Gepaart mit Glückseligkeit und Erleichterung, dass alles so geklappt hat.

An der Kasse traf ich diese eine Mama .

Sie fragte mich, warum ich heut nicht beim Sommerfest dabei war.

„Musstest du arbeiten?“

War das der einzige Grund, der gezählt hätte, fragte ich mich kurz.

War das ein Apell an mein schlechtes Gewissen?

Ich liess es nicht zu!

Ich antwortete höflich, aber kurz: Nein!

Dann lächelte ich und packte meine Sachen in den Wagen. Sie schaute etwas irritiert.

Ich habe dazu gelernt!

Man kann nicht alles haben.

Ich hatte nicht das Bedürfnis mich zu rechtfertigen.

Der Papa war dabei und der ist nicht unwichtiger als ich.

Diesmal hatte ich etwas anderes vor.

Die Hauptsache ist, dass alle ihren Spass hatten, keiner musste zurückstecken.

Kein schlechtes Gewissen weit und breit.

Ich freue mich mit meinen Kindern, dass sie die Möglichkeit hatten, das mit Papa zu erleben.

Ich freue mich für den Papa, dass er die Möglichkeit wahr gemacht hat und Teil des Ganzen war.

Und ich freue mich für mich, denn ich hatte wirklich Spass und hab die Auszeit gebraucht.

2 Kommentare zu „Ich habe dazugelernt…

  1. Hallo Petra,
    Habe gerade den Bericht auf Stern TV gesehen. Kamst mir gleich so bekannt vor. 😊
    Ich freue mich sehr, dass es mit deiner kleinen Auszeit und dem Run geklappt hat. Hört sich nach einem guten Start in ein neues Leben an.
    Weiterhin viel Freude an deinem Blog und deinen neuen Aktivitäten.
    Liebe Grüße aus KÜN

    Gefällt 1 Person

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