Einer dieser Tage

Aaaaaaaanstrengend war dieser Tag. Schon lange habe ich mich nicht mehr so sehr danach gesehnt, dass es 20.30 Uhr ist und beide schlafen.Seit gestern, ich will ehrlich sein.Mini-me ist extrem anstrengend und fordert mich täglich mehrfach heraus.Heut hat er mich an meine Grenzen gebracht.Nach meiner Arbeit und der Fortbildung ging ich „kurz“ einkaufen. Ich wollte mit den Kindern bis 19 Uhr in den Garten und hab dafür Obst und Leckereien gekauft.Ich freute mich darauf, denn eigentlich ist das sehr entspannt und ich hab ein bisschen Ruhe. Meist liege ich faul auf der Decke rum und schaue zu, wie sie vergnügt spielen.Erst holte ich den Grossen von der Nachmittagsschule ab.Während ich den Einkauf auspackte, sortierte er zum x-ten Mal seine Ninjago Karten und ich musste raten, wie viele „Goldene“ er hat.Ich schnippelte Obst und bereitete alles für den Garten vor. Essen, Trinken, die Picknickdecke, Feuchttücher (braucht man irgendwie immer), Sonnencreme.Wir holten den kleinen Bruder vom Kindergarten ab. 2 Beutel mit verpinkelter Kleidung hing an seinem Fach. Eine eher gute Bilanz, verglichen mit den letzten Tagen.Ich ärgere mich im Stillen. Es ist die 4. Woche ohne Windel und es könnte besser laufen.Das kenne ich so nicht von dem Grossen, der mit 2 1/2 Tag und Nacht trocken war.Ich ärgere mich, dass ich vergleiche und habe ein bisschen das Gefühl, dass ich etwas falsch gemacht habe.In ein paar Tagen wird er 4 und ich WILL nicht mehr wickeln müssen.Ich will, dass das jetzt endlich klappt!Ihn interessiert es nicht so sehr, eigentlich ist es ihm egal. Er hasst nur das Duschen danach. Mit nasser Hose rumlaufen, das nimmt er ganz entspannt.Wir waren im Garten. Trampolin, 3 Schafe, Schaukel, viiiiiiiel Platz und beide kleben an mir. Der Grosse ist ständig auf der Suche nach Essen, reisst alles auf, isst nichts zu Ende und schmeisst alles im Korb um.Mit dem Zwerg haben wir den Schafen 2 Karotten gefüttert. Als ich zur Decke möchte, geht das Geschrei schon los: “ Du sollst aber hier bleiben!“Ich wollte sitzen. Endlich mal!Ich reagiere extrem allergisch auf „Du sollst“ und das ist zur Zeit sein Lieblingssatzanfang.“Du sollst…“, „Ich will aber…“Ich bin rigoros und gebe nicht nach, auch wenn es schwer ist. Was das alles nach sich zieht, oh, das weiss ich.Der Todesblick macht mir schon lang keine Angst mehr und Drohungen seinerseits beantworte ich mit einem strengen Blick. Meist fängt er DANN an, schnell und tief zu atmen, hält meinem Blick stand.Heute sitzt er die ganze Zeit auf meinem Schoss und ich mag das so gar nicht.Neben mir ok, aber nicht immer AUF mir, denke ich. Ich kann mich nicht bewegen, mein Fuss schläft ein und ich mag es heut einfach nicht!Ist ihm egal.Er ist irgendwann dann doch schwer beschäftigt und ruft mir zu: “ Mama, hab ich eigentlich ne Windel?“ „Nein hast du nicht, musst du Pippi?““Nein, ich hab schon in die Hose gemacht“, antwortete er fröhlich und fast schon stolz. Der Bruder stand auf und schaute um die Ecke zu ihm.Kam dann zurück, machte ein angewidertes Gesicht und zeigte mit den Händen, dass es ihm die Beine runtertläuft.Ich bin enttäuscht. Und genervt. Und es leid. Und erschöpft von der Wascherei und dem ständigen Duschen, das er ja so hasst und sich dagegen wehrt.Ich liege auf dem Bauch, werde still und lege meinen Kopf auf die Decke.Der Grosse streichelt mir über den Rücken und sagt liebevoll: „Alles wird gut, Mama.“Er fragt, ob er mir den Rücken massieren darf und macht das tatsächlich ca. 4 Minuten. Ich weiss nicht was besser war, sein fester Griff, oder die Aufmerksamkeit an sich.Den Zwerg ignorierte ich solange, bis er mit wütender Stimme und Befehlston monoton wiederholte:“ Du sollst mich jetzt sofort wickeln!“Duuuuuurchatmen. Jetzt wird es interessant.Ich erkläre ruhig, aber bestimmt, dass ich das JETZT nicht mache. Ich hätte nichts Frisches dabei und ich will noch nicht hoch, also müsse er erstmal so bleiben.Es ist nicht so, dass er es nicht spürt, nein, nein.Oh, dann ging die Sirene wie auf Knopfdruck an. Es war alles andere als entspannt, er schrie direkt neben meinem Ohr und ich war angespannt.Langsam kam auch etwas Wut dazu, aber heut hatte ich es gut im Griff, ich war ganz ruhig.Aber auch sehr traurig, dass der Tag so läuft. Muss das denn sein???Er war müde, ich sah es an seinen Augen und ich gab irgendwann nach, wir packten zusammen.Auf der Terrasse, an der wir vorbei mussten, sass meine liebe Nachbarin und las ihr Buch.Sie schaute auf und lachte freundlich.Eigentlich ist es alle paar Tage die gleiche Szene:grosser Bruder springt voraus, ich habe alle Hände voll und hinter mir läuft der schreiende, wütende Zwerg uns hinterher. Sie kennt das schon.Ich beneide sie ein bisschen. Sie mich eher weniger. Ich lächle zurück und freue mich, dass jemand nett zu mir ist, das kann ich gut brauchen.Bis die beiden geduscht, gegessen, Zähne geputzt haben und endlich im Bett liegen, ist viel passiert.Fingernägel schneiden, Haare waschen, abtrocknen und Zähne putzen….bei allem gab es riesen Geschrei. Es war anstrengend.Er versuchte verzweifelt die Creme vom Rücken abzuwischen, rieb sich dabei an meiner Bettdecke und an allem was er in die Finger bekam.Ich setzte mich auf den Boden und schaute ihm beim Toben zu. Dann fing ich an zu weinen.Diese Momente gibt es nicht oft.Aber meine Schmerzgrenze war erreicht.Er sah mich an, kam zu mir und setzte sich auf meinen Schoss.Er tat mir leid. Ich küsste seinen Kopf und roch an seinem Haar.Zu viel Entgegenkommen! Er sprang auf und weiter ging die Show.Ich sammelte mich und liess ihn stehen.Im Bett sagten wir uns, dass wir uns lieb haben. Der Zwerg sagte heut nichts. Dafür drückte ich ihn doppelt so lang, denn ich weiss, er kann sich selber nicht leiden.Der Grosse wollte meine Hand und drückte diese ungefähr 10 mal. Das ist unser geheimes Zeichen dafür, wie sehr wir uns lieben, aber nicht geredet werden soll, wenn Zwerg am Einschlafen ist. Ich drückte genauso oft zurück.Dann sagte ich ihm, dass ich froh darüber bin, dass er mir heut so viel erzählt hat. Von der Schule, den Lehrern, den Freunden und wer was gesagt, oder gemacht hat.Als er feststellte, dass der kleine Bruder schläft, kamen seine Forderungen, die ich nicht bereit war zu erfüllen. Mit einem betonten :“Gute Nacht,“ verliess ich sein Zimmer.Er rief mir hinterher: “ Ich hab dich NICHT lieb!“3 Minuten später rief er raus, dass es ihm leid tuhe, dass er das gesagt hat.“ Ist ok, ich weiss, dass es nicht so ist!“Er lachte und kam zu mir.“Ich will dir nur kurz meine GANZE Liebe zeigen!“Dann drückte er mich fest und ich versuchte zu lächeln.Ich liebe meine Kinder. Aber manchmal möchte ich sie auf den Mond schiessen!

2 Kommentare zu „Einer dieser Tage

  1. Ich liebe deine Texte, du beschreibst alles genauso wie man es selbst manchmal fühlt . Danke für deine Offenheit und du meisterst das alles so souverän und toll . Die Schatten gehören einfach dazu, es gibt keine Entspannung ohne Anspannung. Deine Kinder werden irgendwann mächtig stolz auf ihre Mama sein.

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    1. Liebe Jana, ich danke dir von ganzem Herzen für deine Zeilen. Das macht mir Mut!
      An dem Tag war ich so verzweifelt. Gestern und heute keine pipi Unfälle und es ist wieder alles schön. Nur deswegen schaffe ich es durchzuhalten….wegen diesen Tagen dazwischen, an denen einfach alles mal gut ist. Da nehme ich meine Kraft her.

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