Darf ich Ferien blöd finden?

Ferien. Juhu. „Normale“ Familien freuen sich wie verrückt darauf, denn Papa ist endlich auch zu Hause, kann spielen und sich kümmern, es stehen tolle Unternehmungen an. Jeder fiebert diesen ungezwungenen Tagen entgegen, endlich hat man Zeit füreinander. Ich bin Alleinerziehend. Auch wir haben uns auf Ferien gefreut. So wie wir uns auch immer auf die freien Wochenenden freuen. Meistens geht der Schuss aber nach hinten los. 1 1/2 Wochen sind rum und seit ca. 2 Tagen ist mein einziger Gedanke: “ Halt durch! Nicht mehr lang!“ Bei mir ist die Luft raus, ich mag nicht mehr. Können kann ich noch, es bleibt ja auch nichts anderes übrig. Aber ich WILL nicht mehr. Auf den 1. Blick hört es sich ganz gut an: keine Hausaufgaben, kein Zeitdruck, kein Wecker. Was es wirklich ist, davon kann ich jetzt ein Lied singen. Kinder, die viel zu früh wach sind und mich jeden Morgen aus dem Schlaf reissen. Heute war ich z.B. am Meer, dort war es schön und ich hörte den Wellen zu. Dann…“Mamaaaaaa!“ Ich wollte mich noch nicht vom Meer verabschieden, ich zwang mich die Augen geschlossen zu halten, in der Hoffnung, dass ich den Traum zu Ende träumen darf. Meine 2 Kinder lagen neben mir in meinem viel zu kleinen Bett. Sie stritten, wer neben mir liegen durfte und wer rutschen muss. Es wurde lauter und ich atmete tief ein und aus. Immer wieder hatte ich mal nen Ellenbogen in der Brust oder ein Knie in der Hüfte. Es war mir zu wild. „Raus aus meinem Bett! Alle beide!“ Das war mein 1. Satz am heutigen Tag. Ferien bedeutet Kinder zu Hause zu haben, die nichts mit sich anzufangen wissen. Die plötzlich sowas wie Langeweile entdecken und dann den Bruder ärgern. Oder sich „Tattoos“ mit dem Edding auf den Arm malen, von dem man dachte, er wäre ausser Reichweite. Kinder, die abends nicht müde sind und man nicht ins Bett bekommt. Die erst schlafen, wenn man selber auch am Ende ist und keine Energie mehr hat.

Ich liebe diese wenigen Stunden, die ich üblicherweise für mich habe, bis ich selber schlafen gehe. Die Stille! Sie fehlt mir an Tagen wie heute. In den Ferien habe ich 2 Möglichkeiten: entweder ich verzichte auf diese für mich wertvolle Zeit, oder es verschiebt sich eben nach hinten und ich schlafe ein paar Stunden später.

Zu spät- das stellt sich erst am nächsten Morgen raus.

Ferien bedeutet, dass ich von morgens bis abends den Tag mit 2 kleinen Kindern zusammen bin, mit ihnen ALLEINE. Heute hatte mein Sohn Training. Heisst, ich habe immerhin ein paar erwachsene Menschen gesehen und konnte ein bisschen small talk mit der Kassiererin bei Edeka halten. Es gibt durchaus Tage, an denen es vorkommt, dass ich mit keinem Erwachsenen rede. Es sind meist die Tage, an denen ich mich in einem Zimmer verstecke und meiner Freundin eine Sprachnachricht flüstere. Wie schlimm es wieder ist und was schon wieder alles war. Dass ich auf 180 bin. Ich weiss sie versteht mich. Am Ende der Nachricht lach ich meist albern. Vielleicht aus Verzweiflung. Oder weil ich Gejammer nicht leiden kann. Oder es ist einfach normal, wenn man glaubt bald irre zu werden.

Ferien bedeutet für mich das Gefühl in der Küche zu leben. Ständig hat einer „Hungeeeeer“ und wenn nicht, beseitige ich die Spuren der letzten Mahlzeit, räume die Spülmaschine ein, oder wische den Tisch und die Sitzbank ab. Ich wollte heute zählen, wie oft ich das an einem Tag so mache. Gelassen habe ich es, weil es eh nichts daran ändert und ich es morgen wieder genauso oft machen werde. Habt ihr schon mal die Küche gefegt und wart minutenlang fasziniert von diesem kleinen Haufen, der da am Ende zusammenkommt? Ich hatte dieses Erlebnis heute 2 mal.

Ferien bedeutet für mich, dass ich Alleinunterhalter bin.

Schläft der Kleine mittags ein, will der Grosse das mit mir spielen, bei dem der kleine Bruder sonst stört oder nervt.

Ist der Grosse im Training, oder bei einem Freund, wird es erst recht anstrengend, weil ich ihn dann ersetzen muss und es wird voller Einsatz gefordert. Ferien bedeutet: Null Zeit für mich! Nicht im Auto, nicht zu Hause, nicht beim Einkauf. Immer mindestens 1 Kind im Schlepptau. Anschnallen, Abschnallen. Fahrradhelm auf und zu. „Mama kannst du…“, „Mama du sollst…“, „Mama machst du uns…“. Die Gedanken sind frei… Manchmal denke ich : “ Wenn ich das Wort Mama in den nächsten Minuten noch einmal höre, laufe ich schreiend davon.“

Wenn sie nicht aufhören zu streiten, sich anzuschreien, beleidigen und sich weh zu tun bis einer weint…stelle ich mir vor, wie ich aufstehe, die Wohnung verlasse, die Tür hinter mir zuziehe und die berühmte Runde um den Block drehe.

Natürlich mache ich das nie, denn dann wären sie ja ganz alleine. Sie würden mir eh sofort hinterherrennen, davon ganz abgesehen.

Dieses „nicht-weg-können“ macht mich manchmal verrückt. Es ist niemand da, zu dem man mal sagen kann: „Bitte mach du mal!“

Egal wie gestresst, kaputt, genervt, sauer, deprimiert man ist…man muss weitermachen. Bis die Kinder im Bett sind und dann hoffen, dass der nächste Tag wieder besser wird.

Grundsätzlich fang ich jeden Tag neu an. Ohne den Groll vom Vortag. Das wäre ja furchtbar.

Heute hatte ich Urlaub und es sind Ferien. Ich kann mich nicht daran erinnern heute mal einfach so irgendwo rumgesessen zu haben. Ich sass schon mal zwischendurch. Aber entweder setzt sich jemand auf meinen Schoss, lehnt sich an mich, will kuscheln, reden, Antworten haben, springt auf mir rum, macht Purzelbäume über mich drüber, mit der Absicht mich nicht zu berühren. UPS!

Sogar wenn ich auf dem Klo sitze und denke: 2 Minuten alleine!

Genau dann höre ich tippel tippel und besorgtes: „Mama??? Wo bist?“Morgen muss ich wieder arbeiten. Ich werde müde sein, aber ich freue mich auf erwachsene Menschen. Gespräche mit Erwachsenen. Mit Menschen, die mich nicht Mama nennen.

Ein Kommentar zu „Darf ich Ferien blöd finden?

  1. Hallo Rappido,
    ich kenne es sehr gut, wenn die Ferien mit Kind anstrengend werden und man viel alleine ist mit ihnen.
    Aber warum machst du alles alleine? Hast du dir noch kein Netzwerk von anderen Alleinerziehenden aufgebaut oder Freunde ohne Kids, die auh gern was mit Euch unternehmen?
    Ebenso kann mindestens dein Grosser doch schon im Haushalt mithelfen, Teller mit weg bringen, Küche mit aufräumen, etc. Es macht ihm stolz und selbständig. Und morgens kann er sich schon mal den TV mit Kinsersendung für sich und den Kleinen anmachen, damit Mama noch ne Stunde schlafen kann. In den Ferien doch völlig legitim.
    Und auch ein achtjähriger kann mal morgens für alle den Tisch decken. 😉
    Meiner ist Einzelkind und hat das damals schon so gemacht und auch er wusste, Mama möchte morgens mal ne Stunde länger schlafen als er. War schwierig in ner 2 Zimmerwohnung aber es ging. 😉
    Beim Papa lief es dann übrigens ähnlich, wenn er die Ferien dort war. Während Papa ausschlief haben Junior und seine drei Jahre jünger Schwester sich den TV angemacht. Dafür gab es dann einfach Nachmittags keine Fernsehzeit mehr.
    Ich liebe die Ferienzeit mit meinem Sohn, denn wir haben im Alltag so wenig Zeit miteinander. Aber er will mich jetzt immer los werden und beschwert sich, wenn ich mir wie dieses Jahr alle Ferien komplett frei nehmen kann 😂.
    Jetzt ist er 1 Woche bei Oma und Opa und genießt die Zeit ohne mich 😂. Ich glaub den Luxus, dass ich Urlaub habe und er nicht da ist, hatte ich das letzte mal vor ca. 10 Jahren. Sonst hatten wir immer zusammen frei, denn in Zeltlager oder Ferienspiele wollte er nie. Jetzt wo er schon so groß ist (13)geniesse ich aber erst recht die gemeinsame (wenn auch manchmal pubertär anstrengende Zeit) mit ihm, denn die Tage, wo er noch etwas mit mir gemeinsam machen will, sind echt gezählt. 🙈
    Mir hat es immer gut getan mit Junior auf den Spielplatz zu gehen und dort ein Buch in der Sonne zu lesen, während er mit anderen Kids gespielt hat. Kindgerechte lange Radtouren (die Kleinen können oft länger fahren als man ihnen zutraut) = abends ist das Kind müde. Oder mit der Picknickdecke an den kostenlosen See oder Bach/Fluss… Steine werfen, Spiele spielen, etc.
    Klar sind die Zeiten manchmal anstrengend aber wenn man den Kids auch mal beibringt, dass sich Mama wenigstens mal ne Stunde Auszeit nimmt, dann klappt auch das. Geniesst die Zeit zusammen. Sie kommt nie mehr wieder.
    Du packst das schon. 😉

    Liken

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